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Subtile Duftsignale an das Unterbewusstsein
Wissenschaftler untersuchen, wie Körpergerüche
und Sexuallockstoffe das menschliche Verhalten beeinflussen.
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| Erotik beginnt bisweilen unter der Achselhöhle: ein streng wissenschaftlicher Geruchstest
im Dienste der Pheromon-Forschung |
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Von Sonja Kastilan
Berlin - "Männer umschwirrn mich, wie
Motten das Licht", besang Marlene Dietrich einst ihre betörende Anziehungskraft. Aber für männliche
Motten ist Licht nicht das einzige Signal, auf das sie fliegen. Der Liebe wegen folgen sie kilometerweit den Sexual-Lockstoffen
ihrer Weibchen - Pheromone, von denen wenige Moleküle in der Luft genügen, um Schmetterlingsmännchen
in den Bann zu schlagen.
Und Männer? Werden sie vom Duft der Frauen
ähnlich betäubt und angezogen, ihrer Sinne und Vernunft beraubt? Und finden Frauen den männlichen
Körpergeruch gar unwiderstehlich? "Abhängig von Alter, Geschlecht, Hautflora und genetischer Ausstattung
besitzt jeder einen unverwechselbaren Geruch, der sich je nach Stimmung, Ernährung und Gesundheitszustand
verändert, aber vor allem an den Hormonspiegel gekoppelt ist", erklärt Verhaltensforscherin Astrid
Jütte vom Wiener Ludwig-Boltzmann-Institut. Wichtigster Geruchsträger ist der Schweiß, mit ihm
dringt das persönliche Duftgemisch an die Körperoberfläche und sendet von dort seine unsichtbaren
Botschaften. Zu diesen Signalen gehören auch Substanzen, die als menschliche Pheromone bezeichnet werden und
Verhalten, Gefühle und sogar Stoffwechselvorgänge von anderen beeinflussen sollen.
Meist sind Pheromone chemische Abkömmlinge
von Steroidhormonen wie die männlichen Duftstoffe Androstenol und sein Abbauprodukt Androstenon, deren Wirkung
auf Frauen Astrid Jütte untersuchte. Entscheidend ist dabei der hormonelle Zustand der Frau: Das sonst eher
übel riechende Androstenon wird von Frauen als angenehm empfunden, wenn sie es am Tag ihres Eisprungs schnuppern,
also zum Zeitpunkt ihrer Empfängnisbereitschaft.
"Weniger positiv ist die Wirkung allerdings
auf Frauen, die mit einer Antibabypille hormonell verhüten", wie Regina Maiworm vom Psychologischen Institut
der Universität Münster entdeckte. Einen Einfluss der Pille bemerkte auch der Zoologe Claus Wedekind,
der Frauen an getragenen Männerhemden schnüffeln ließ. Wedekind untersuchte die Wirkung von Gerüchen
in Bezug auf bestimmte Merkmale des Immunsystems, insbesondere dem Haupt-Verträglichkeits-Komplex (MHC). Dabei
fiel auf, dass Frauen normalerweise Gerüche von Männern als angenehm empfinden, deren Immunmerkmale möglichst
von ihren eigenen abweichen. Dagegen bevorzugen Frauen mit Pille die Gerüche von Duftspendern mit ähnlichen
Merkmalen.
"Wir werden durch den Geruch nicht zum Traumpartner
hingeführt, sondern eher vor dem falschen gewarnt", vermutet Bettina Pause vom Institut für Psychologie
der Universität Kiel auf Grund ihrer Studien, die ebenfalls den Einfluss der Gene beziehungsweise des MHC
auf die Partnerwahl untersuchten. Während ihre Versuchsteilnehmer die Proben schnupperten, wurde gleichzeitig
die Gehirnaktivität im Elektro-Enzephalogramm (EEG) gemessen. Und je ähnlicher die MHC-Ausstattung der
Duftspender, desto weniger angenehm war den Testern der Geruch und um so stärker ihre Gehirnaktivität.
Die Wahrnehmung ähnlicher MHC-Gerüche ist demnach wichtiger und wird schneller verarbeitet als unähnliche.
Pause interpretiert dies als negativen Selektionsmechanismus und Inzuchtschranke. Je ähnlicher die Gene des
MHC sind, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit einer nahen Verwandtschaft.
Neben der Wahrnehmung von Pheromonen steht auch
der eigene Körpergeruch unter dem Einfluss der Hormone. Entsprechend verändert sich in bestimmten Zyklusphasen
der Frau etwa die Zusammensetzung pheromonartiger Kopuline im Vaginalsekret, eine Mischung aus verschiedenen Fettsäuren.
Zwar bleibt Männern die Empfängnisbereitschaft einer Frau verborgen, nicht aber ihrem Unterbewusstsein,
wie eine Studie von Astrid Jütte verdeutlicht.
Sie testete drei verschiedene Kopulin-Gemische
im Vergleich zu Wasserdampf an 106 Männern, die dabei Fotografien von Frauen beurteilen sollten. Ein schwacher
Frauenduft verführte dabei die Männer immer zu einer positiveren Bewertung der Bilder - besonders zum
Vorteil weniger hübscher Frauen. Sie gewannen durch die Duftsignale deutlich an Attraktivität, die Männer
offenbar stärker beeindrucken als optische Schönheit.
"Durch Kopuline finden Männer Frauen
attraktiver, sympathischer und netter", bestätigt Regina Maiworm. "Überraschend zeigte die
Kopulin-Mischung aus der Eisprungsphase keinen größeren Einfluss auf die Bewertung als die anderen Gemische",
so Jütte. Dennoch reagiert der männliche Körper unbewusst auf den Geruch, indem er Hormone freisetzt,
durch die Männer schließlich empfänglicher werden für erotische Reize.
Dass auch der Mensch über Pheromone kommunizieren
kann, gilt inzwischen als belegt, jedoch bleibt offen, wie die chemischen Reize wahrgenommen werden. Einige Wissenschaftler,
darunter US-Forscher und Pheromon-Entdecker David Berliner, halten das so genannte Vomeronasalorgan (VNO) in der
Nasenscheidewand für die Lösung des Rätsels.
"Aber seine Funktion ist nicht lückenlos
bewiesen", erklärt Thomas Hummel, Leiter der Abteilung "Riechen und Schmecken" an der medizinischen
Hochschule in Dresden. Anlässlich eines Symposiums stellte er kürzlich seine Untersuchungen in Erlangen
vor.
"Quer durch alle Altersgruppen fanden wir
das VNO nur bei 60 bis 70 Prozent von 180 untersuchten Personen", erklärt Thomas Hummel. Und häufig
entdeckten die Wissenschaftler ein VNO, das im Mittel eine Länge von 1,5 Zentimetern erreicht, nur auf einer
Nasenseite und nicht wie vermutet beidseitig. Gewebeuntersuchungen weisen zwar auf typische Merkmale eines ausgeprägten
Sinnesorgans hin. "Doch wir konnten keine Nervenverbindungen entdecken, wie man sie dann erwarten würde",
so Hummel.
"Bei Säuglingen ist das VNO aktiv, die
Anbindung ans Gehirn verliert sich im Erwachsenenalter", erklärt der Physiologe Gerd Kobal, der an der
Universität Nürnberg-Erlangen forscht. Andererseits vermutet Volker Jahnke, Leiter der HNO-Klinik an
der Berliner Charité, dass es auch bei Erwachsenen Nervenverbindungen zwischen VNO und Gehirn geben müsse.
Seine Untersuchungen der Nasenschleimhaut im Elektronenmikroskop deuten darauf hin.
Ein Amerikaner entwickelt ein Parfum mit Pheromonen
Wissenschaftler und Parfumhersteller verbünden sich, um den Sechsten Sinn
der Verbraucher zu erwecken. Das Ergebnis heißt: „REALM“. REALM, das Produkt des Jahre 1997 wurde bereits
für 200 Millionen in den Vereinigten Staaten verkauft und ist in 1.300 Parfümerien in 48 Staaten erhältlich.
Der Nase nach ist es ein Parfum. „Mehr als ein Parfum“ behauptet der Verantwortliche
von „REALM“. In der Tat ist es „das erste und einzige Parfum in der Welt, das künstliche menschliche Pheromone
enthält“. Das ist mal was Neues! „Übrigens, was sind Pheromone?“, fragt sich der etwas gleichgültige
Kunde. Kurz gesagt ist es das Ding, das unsere Instinkte anspricht und unseren „Sechsten Sinn“ erweckt. Man braucht
sich nur mit diesem Wasser zu parfümieren, mit starkem Zusatz, um sich selbstsicher, verführerischer,
sinnlicher zu fühlen. Sie haben gut reden! Schnell, ein Fläschchen her ...
Medizinische Erklärung:
Tiere, die nicht so viele Fragen stellen, kommunizieren untereinander, dank der
Pheromone. Stoffe, die von den Hormonen ausgestrahlt werden. Seit mehr als vierzig Jahren weiß man, dass
es ähnliche Stoffe beim Menschen gibt. Man kann sie durch ein Geruchssystem, das sich von dem Geruchssinn
unterscheidet, wahrnehmen. Dieser befindet sich innerhalb der Nase und man nennt ihn es das „Vomeronasal-Organ“.
Die Arbeiten des Prof. David Berliner von der Universität Isola in Utha
haben es ermöglicht, menschliche Pheromone, die man in der Haut entdeckt hat, zu isolieren und dann die chemische
Strukturen dieser Zellen zu kopieren. Nachdem man diese Substanzen synthetisch hergestellt hatte, hat der Wissenschaftler
sich bemüht, die positive Wirkung auf den Menschen zu demonstrieren. Zahlreiche Verhaltenstests wurden also
in verschiedenen Instituten durchgeführt. Die Ergebnisse zeigen, dass die Leute positiv auf dieses Produkt
reagieren. Die Frauen waren sensibler auf ihre eigene Sinnlichkeit, die Männer fühlten sich selbstsicherer
und besser in ihrer eigenen Haut. Dieses Gefühl kommt von dem Hypotalamus, unbewußtes Zentrum unserer
Gemütsbewegungen, der die Mitteilung entziffert hat, die von dem Vomeronasal-Organ kam.
Frauen-Parfum, Männer-Parfum
Bestärkt durch seine Entdeckung, gründete der clevere Arzt die Firma
EROX Corporation, die diese synthetischen Pheromone herstellt. Er erfindet also REALM, mit der Mitarbeit der Häuser
Firmenich und Givandar. Das Parfum hat einen sehr großen Erfolg in den Vereinigten Staaten, wo man innerhalb
von drei Jahre für 200 Millionen Schweizer Franken davon verkauft hat. Der Marketing-Chef des Schweizer Vertriebes
benutzt dieses Parfum seit er es entdeckt hat. „Ich bin viel weniger jähzornig, weniger gestresst“, versichert
er. Aber er gibt zu, dass die Einstellung des Kunden gegenüber von dem Produkt eine große Rolle spielt
auf dessen Wirkung. Ein Brummbär wird immer ein Brummbär bleiben, sogar wenn er sich mit REALM überschüttet.
Aber eine Person, die sich was Gutes tun will, wird damit klarkommen. Bleibt die Geschmacksache - für Frauen
ist das „Eau de Parfum“ süß, sehr fruchtig, fast ein wenig zuviel. Die Amerikanerinnen sind verrückt
danach, aber wahrscheinlich wird eine etwas leichtere Ausgabe für die Europäerinnen bis Ende des Sommers
herauskommen. Das „Eau de Toilette“ für Männer dagegen ist intensiver und kann sehr gut von den Frauen
verwendet werden. Die kommerzielle Verwendung des menschlichen synthetischen Pheromons werden hier noch nicht zu
Ende sein. Man spricht davon, welches in Textilien, Sportbekleidung oder Bettwäsche hineinzustecken, sowie
auch in Kerzen und Duftartikel. In Amerika verlangen sogar manche Künstler, die nach Inspiration suche, dass
man es mit der Farbe vermischt.
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